KlM-I Leistungsbeschreibung

KLM-I Leistungsstandard des Kleinen Münsterländers

Beschreibung der jagdlichen Eigenschaften des Kleinen Münsterländers

 

Vorwort:

Der Kleine Münsterländer ist ein mittelgroßer, langhaariger Vollgebrauchshund, dessen Zucht seit über 100 Jahren im Mutterland Deutschland gezielt nach den Kriterien jagdliche Leistung, Rassestandard, Wesen und Erbgesundheit betrieben wird. Der Kleine Münsterländer hat einige rassetypische jagdliche Besonderheiten, die sich über die Jahrhunderte in seiner Verwendung als Jagdhund im Nord-Westdeutschen Tiefland herausgebildet haben:

 

Hervorzuheben ist zum einen die Intelligenz des KlM, die er nutzt, um mit allen Sinnen möglichst effektiv zu jagen und zum anderen seine enorme Führerbezogenheit, die ihn zu einem kooperativen Jagdkameraden macht. Dabei ist er im Wesen ein freundlicher und ausgeglichener Hund mit einer – zuweilen auch temperamentsbedingten – großen Passion, weshalb er trotz seiner Führerbezogenheit im Gehorsam nicht nachlässig ausgebildet werden darf. Härte gegenüber wehrhaftem Wild ist gefordert, ebenso Schussfestigkeit an Land und im Wasser. Diese Eigenschaften machten den Kleinen Münsterländer auch weit über Deutschlands Grenzen hinaus zu einem beliebten Jagdgefährten.

Nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit wächst die Population stetig und so ist es notwendig geworden, Internationale Prüfungen auszurichten, um so den KlM weltweit auf seinem einheitlichen Standard als Vollgebrauchshund zu halten und das große genetische Potential der Rasse länderübergreifend bestmöglich nutzen zu können.

Die nachstehende Leistungsbeschreibung soll dazu dienen, einen Anhalt für ein einheitliches Richten von KlM auf internationalen Prüfungen zum Beispiel einer IMP A und B zu geben.

Auf Anlagenprüfungen können bei den nachgenannten Fähigkeiten Abstriche gemacht werden, wenn der KlM erfahrungsgemäß, auch auf Grund seines Alters, noch nicht voll entwickelt und durchgearbeitet ist. Aber seine wichtigen jagdlichen Anlagen müssen immer deutlich erkennbar sein.

Hunde mit großem Zuchtpotential lassen, während der Arbeit im Feld, im Wasser und im Wald, Jagdpassion, Arbeitsfreude, Jagdverstand und Teamfähigkeit mit ihrem Verhalten erkennen.

 

A. Feldarbeit

 

  1. Nasengebrauch

Der Kleine Münsterländer zeigt bei allen Arbeiten vor und nach dem Schuss, insbesondere aber bei der Suche eine exzellente Nasenleistung. Er ist immer in der Lage, den Wind für sich gut zu nutzen, um schnell und häufig Wild zu finden, gelegentlich Vogelwitterung zu markieren, Spuren und Fährten anzuzeigen und sie auszuarbeiten. Er kann durch sie Flugwild, besonders Hühner beim Nachziehen rasch festmachen und Wild weit anziehen.

 

  1. Spurarbeit

Bei allen geforderten Spurarbeiten soll der Kleine Münsterländer Spurwille und Spursicherheit zeigen.

Der Spurwille ist daran erkennbar, wie er sich auf die Arbeit einstellt und unter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände (Bodenbeschaffenheit, Wetter u. a.) die Spur anfällt, sie willig und beherrscht und konzentriert arbeitet und sich bemüht, sie auch unter schwierigen Gegebenheiten weiterzubringen. Ob er Spurwillen hat ist erkennbar ob er nach sichtigem Verfolgen beim Außersichtkommen des Hasen oder Fuchses die Spur ruhig sucht und aufnimmt, oder ob er abbricht oder gar planlos umher sucht.

Die Spursicherheit zeigt sich in der Verhaltensweise des Hundes, wie er als Ausdruck seiner Wesensstabilität den Spurwillen (Beutewillen) beherrscht, d. h. vor allem bei schwierigen Gegebenheiten in ruhiger Gangart den Fortgang der Spur sucht und sie auf diese Weise selbständig und sicher vorwärtsbringt.

Bei der Beurteilung einer Spurarbeit ist der Spurwille, die Spursicherheit und die Schwierigkeit auf der Spur durch Gelände, Witterung, Wind und Stehzeit höher zu bewerten, als nur die reine Länge der Spur.

  

  1. Suche

Bei der Suche ist der Körper angespannt, er bewegt sich elegant, und zeigt eine ausdrucksvolle Haltung seines Kopfes, seines Körpers und seiner Läufe, sobald er Wildwitterung in die Nase bekommen hat. Dabei hält er die Nase hoch, halbhoch oder tief in den Wind. Bei der Spurarbeit sucht er oft mit tiefer Nase. Seine Nasenhaltung hängt immer davon ab, wie er am besten Wild finden kann.

Seine Suche ist jagdnah, vom Finderwillen geprägt, planmäßig und gründlich auf gesamter Fläche, flott und ausdauernd. Dabei orientiert er sich selbständig auch an der Windrichtung. Er zeigt dabei Arbeitsfreude, Passion, Jagdverstand und Teamfähigkeit. Er arbeitet immer gerne, auch ohne viele Einwirkungen und weitgehend selbständig für den Erfolg seines Führers.

Er passt sich bei der Suche dem Gelände, der vorkommenden Wildart und dem Wind an.

Das heißt, gegen den Wind durch Quersuche arbeiten, bei Nackenwind vorauslaufen und in den Wind wenden. Sein Tempo bei der Suche steht mit der Güte seiner Nase im Einklang.

Die Suche ist weiträumig, aber ein Abstand zum Führer von ca. 100 Schritte sollte nicht ständig überschritten werden. Ein gut geführter Hund soll alle überflüssigen Wege sparen.

Er lässt sich bei seiner Arbeit, auch über weite Entfernungen, lenken (Führigkeit, Teamfähigkeit). Dabei hält er immer wieder Blickkontakt zu seinem Führer und ist bereit, vernommene Befehle (Zuruf, Wink, Pfiff) zu befolgen.

Er lernt schnell, dass alles Wild solange für ihn tabu ist, bis ein entsprechender Befehl vom Führer kommt. Wenn er verstanden hat, dass es den gemeinsamen Jagderfolg mindert, verfolgt er von sich aus, gesundes Wild nicht mehr. Er ist immer bestrebt, seinen Führer zu Schuss zu bringen, um gemeinsam Beute machen zu können.

Wildrein darf der Kleine Münsterländer allerdings nicht sein, denn er soll und muss ja auf der Jagd die Wundspur des krankgeschossenen Wildes arbeiten. Nur auf ein entsprechendes Kommando hin, muss er von jedem aufstrebenden Haarwild oder vom abstreichenden Federwild auch ohne Einwirkung, sofort ablassen.

Er ändert seinen Suchenstil nicht, auch wenn er mit mehreren Hunden gleichzeitig arbeiten soll (Paarsuche), da er immer für den gemeinsamen Jagderfolg arbeitet.

Dabei ist unerwünscht, häufiges Nachlaufen und Stören, aggressives Verhalten gegenüber dem mitarbeitenden Hund, mangelnder Gehorsam, mangelnde Suche, ebenso wie sehr viele laute Kommandos und häufiges Pfeifen durch den Führer.

 

  1. Vorstehen

Eine spezielle Ausdrucksform beim Vorstehen hat der Kleine Münsterländer nicht. Er verharrt in allen möglichen Körperhaltungen. Den Kopf in den Wind drehend, verharrt er in angespannter Körperhaltung und bewegt die Rute nicht mehr. Beim Vorstehen steht er mit allen vier Läufen auf dem Boden, oder es wird ein Vorder- oder Hinterlauf angehoben. Rassetypisch ist auch, dass einige KlM nicht vorstehen, sondern sich niederducken oder sich auch hinlegen beim nasenmäßigen Kontakt mit Wild (Vorliegen).

Sobald der Kleine Münsterländer festliegendes Wild mit der Nase wahrgenommen hat, soll er durch frühes Anziehen und umsichtiges Nachziehen oder durch zielbewusstes Umschlagen das Wild festmachen und solange vorstehen oder vorliegen, bis sein Führer, auch über eine große Entfernung, ohne Übereilung herankommen und wenn er bei ihm ist, ohne Hast zu Schuss kommen kann. Er weiß genau, wie er den Führer am besten zu Schuss bringen kann.

Der Führer kann zumeist sehr gut erkennen, wenn das Wild vor dem Hund nicht mehr festliegt oder es abgelaufen ist. Denn es löst sich die Anspannung beim Hund und die Rutenspitze fängt an leicht zu zucken.

Er steht an Haar- oder Federwild gleichermaßen sehr gut vor, wobei er Federwild in der Regel weiter vorsteht.

Unerwünscht sind Blender, die mehrfach, ausdrucksvoll und langanhaltend, ohne Wild oder Wildwitterung, vorstehen.

Wenn der Kleine Münsterländer mit mehreren Hunden gleichzeitig sucht, soll er auch Mitstehen oder Sekundieren zeigen.

Mitstehen bedeutet, dass ein zweiter oder dritter Hund das Wild, dass der erste Hund in der Nase hat, ebenfalls in die Nase bekommt und, wie der andere Hund schon, auch vorsteht.

Sekundieren in dessen bedeutet, dass der zweite oder weitere Hund in Vorstehhaltung verharrt, wenn er einen anderen Hund in eben dieser Haltung erblickt. Der Sekundant steht nicht mit der Nase vor, sondern auf ein optisches Signal. Die beim Sekundieren eingenommene Vorstehhaltung soll so lange erhalten bleiben, bis der Hund, der das Wild ursprünglich gefunden hat, seine Arbeit am Wild beendet hat.

 

B. Wasserarbeit

 

Am Wasser wird von dem Hund Ruhe verlangt. Auf Befehl soll der Hund das Wasser unverzüglich annehmen und seine Aufgabe erfüllen.

 

  1. Stöbern ohne Ente

Für die Arbeit vor dem Schuss (Stöbern ohne Ente) bedeutet dies, dass der Kleine Münsterländer das zu bejagende Wasserwild aus der Deckung, auch aus tiefem Schilfwasser, aufstöbern muss. Das ist eine Arbeit, die hohe körperliche und geistige Gaben ihm verlangt. Härte, Ausdauer und Wasserpassion müssen ihn auszeichnen. Dazu gehört weiterhin, dass er, wie im Felde auch, mit der Nase arbeitend versuchen muss, dass sich drückende Wassergeflügel ausfindig zu machen und zum Aufstehen oder Verlassen der Deckung zu veranlassen.

 

  1. Verlorensuche

Wird er zur Verlorensuche auf geschossenes Wasserwild geschickt, soll sich der Kleine Münsterländer in Richtung der Ente lenken lassen. Gefundenes Wasserwild muss ohne Befehl des Führers gebracht werden.

 

  1. Stöbern hinter lebender Ente

Eine schwierige Aufgabe hat er zu erfüllen, wenn das Stück Wasserwild nur geflügelt und nun bestrebt ist, sich vor dem ihm folgenden Hunde in Sicherheit zu bringen. Konzentrierte Nasenarbeit ist nun erforderlich, um der Schwimmspur zu folgen. Die Nichtbeachtung oder das Ausweichen von lebendem Wasserwild sind schwere Fehler.

Hat der Hund die Ente im Schilf gegriffen oder hat er sie aus der Deckung auf das freie Wasser getrieben, und ist es dort dem Führer gelungen, die Ente zu erlegen, so hat der Hund sie einwandfrei zu apportieren.

Das ist am Wasser von besonders großer Bedeutung, denn wenn der Hund sich zunächst schüttelt und die Ente dabei ablegt, wird sie, so sie noch nicht verendet ist, sofort das Wasser wieder annehmen und nun im Bewusstsein der Gefahr, in der sie schwebt, sich so verhalten, dass sie nur in den seltensten Fällen wieder vom Hunde gefunden werden kann.

 

C. Waldarbeit

 

Neben Feld und Wasserarbeit kann der Kleine Münsterländer auch Erhebliches bei der Arbeit vor und nach dem Schuss im Walde leisten.

 

  1. Buschieren

Arbeiten vor dem Schuss im Walde sind insbesondere das Stöbern, das Buschieren; letzteres entspricht der Suche im Feld, mit einem großen Unterschied:

während die Sichtverbindung zwischen einem Kleinen Münsterländer und seinem Führer im Feld über eine weite Entfernung betragen kann, ist sie im Walde nur auf sehr kurze Entfernung beschränkt.

Dies und der Umstand, dass beim Buschieren auch Wild herausgestoßen werden kann, dass der Hund nicht in dem Maße, wie im Felde, vorher in der Nase gehabt und vorgestanden hat, bedeutet, dass beim Buschieren vom Kleinen Münsterländer eine Suche unter der Flinte verlangt wird.

Diese Suche unter der Flinte heißt, dass der Kleine Münsterländer jeweils nur so weit suchen darf, wie der Führer imstande ist, unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten, auch vor dem Hund aufstehendes oder abstreichendes Wild noch schießen zu können.

Während der Kleine Münsterländer also im Feld raumgreifend und flott in großen Schlägen vor dem Führer suchen darf, muss er sich im Walde beim Buschieren in kupiertem Gelände in einer Entfernung von ca. 25-30 m arbeiten. Wild, dass er in die Nase bekommt, muss er vorstehen; von allein aufstehendes Wild muss er respektieren, d.h. nicht hetzen. Anderenfalls käme der Führer überhaupt nichts zu Schuss; ehe er seinen Hund zur Ordnung gerufen hätte, wäre das Wild schon seinen Blicken entschwunden.

 

  1. Stöbern

Dabei wird von einem Kleinen Münsterländer eine größere Selbstständigkeit verlangt, denn er muss sich ohne seinen Führer in eine ihm zugewiesene Parzelle Wald (Dickung- Maisschlag) begeben und völlig auf sich allein gestellt, ohne Verbindung zu seinem Führer, oft weit von diesem entfernt, das sich dort befindliche Wild heraus und möglichst einem der angestellten Jäger oder seinem Führer zutreiben.

Unabdingbar ist dabei, dass der Hund Orientierungssinn hat und mindestens sichtlaut, besser spurlaut jagt. Ein stummer Hund ist für die Waldjagd absolut unbrauchbar.

Während beim Buschieren und bei der Feldarbeit der Führer die Jagd des Hundes mit dem Auge verfolgen kann, ist der hier auf sein Ohr angewiesen. Ein Hund, der nicht wenigstens sichtlaut jagt, lässt den oder die draußen wartenden Jäger völlig im Ungewissen über das, was sich in der Dickung tut.

Weiterhin ist sehr wesentlich, dass der Kleine Münsterländer nicht überjagt, d.h., dass er nur in dem umstellten und zur Bejagung vorgesehenen Gebiet jagt und dieses nicht verlässt, um möglicherweise in angrenzenden Dickungen, die noch bejagt werden sollen, weiter zu jagen. Denn das kann den Erfolg einer ganzen Jagd infrage stellen.

Ein Kleiner Münsterländer, der nur in dem von den Schützen umstellten Dickungskomplex jagt, jagt bogenrein.

Nach Beendigung der Arbeit oder auf Befehl sucht der gute Stöberer alsbald seinen Herrn auf und lässt sich anleinen.

Unerwünscht sind Hunde, die sich nur wenige Meter von ihrem Führer entfernen (kleben) und sich nur am Rande der Deckung hin und her bewegen (rändeln).

Ein Kleiner Münsterländer, der nicht zum Stöbern geschnallt ist und sich bei seinem Führer aufhält, hat sich absolut ruhig zu verhalten.

Der neben seinem Führer auf dem Stand abgelegte Hund darf nicht aufstehen, oder sich vom Platz entfernen. Er darf nicht winseln und auch nicht Laut geben. Alle diese Verhaltensweisen würden dazu führen, dass anwechselndes Wild frühzeitig gewarnt und dann einen anderen Weg nehmen würde.

Ebenso wie bei der Treibjagd im Feld hat der Hund sich auch bei Schüssen seines Führers oder anderer Jäger, bei Schüssen in der Dickung oder bei Treiberlärm ruhig zu verhalten und darf nicht aus Überpassion und Unerzogenheit außer Rand und Band geraten.

 

  1. Schweißarbeit

Für die Schweißarbeit eignet sich der Kleine Münsterländer in besonderem Maße, da er die nötigen anlagebedingten Voraussetzungen dazu mitbringt. Hierzu gehört die Ausdauer auf der Fährte, die Konzentrationsfähigkeit und Ruhe, eine feine Nase und eine gehörige Portion kontrollierter Wildschärfe. Er ist in der Lage, großes, wehrhaftes Schalenwild durch ständiges Umkreisen und Verbellen zu stellen. Er ist jedoch auch in der Lage, krankes Rehwild oder geringe Schalenwildstücke zu hetzen und schließlich niederzuziehen. Er ist laut und sein Führer kann ihn bei anfallenden Hetzen akustisch verfolgen.

Auf der Schweißfährte arbeitet der Kleine Münsterländer ruhig, fährtentreu und fest im Riemen hängend. Er lässt sich von Verleitungen nicht abbringen und ist immer bemüht, gemeinsam mit seinem Führer in den Besitz des Stückes Schalenwild zu kommen.

 

D. Bringen

 

Das Bringen hat der Kleine Münsterländer erst auf Befehl seines Führers zu beginnen. Er soll das Stück auf möglichst direktem Wege finden, unverzüglich aufnehmen und auf dem kürzesten Weg zügig bringen. Beim Führer angekommen, hat der Hund sich zu setzen und erst nach Aufforderung das Stück auszugeben. Fehlerhaft sind Knautschen, kein direktes oder zögerliches Zutragen des aufgenommenen Wildes, sowie mangelnder Gehorsam durch fehlendes Sitzen beim Ausgeben oder das nicht korrekte Ausgeben (z. B. Nachfassen, Fallenlassen) des apportierten Stück Wildes.